Eine kleine Wattwanderung

 

Unten stehenden Text habe ich 2018 für den Wremer Kalender 2019 des "Wremer Heimatkreis von 1985 e.V." geschrieben.

Vorlage und Inspiration war dieses wunderschöne Bild einer typischen Wattenlandschaft von Andrea Kusajda!

 

 

 

„Ihhh – da soll ich rein?                Kann man da nicht versinken?                Das sieht ja aus wie ....!“

 

Oft sind das die ersten Worte von „Binnenländern“, die das erste Mal an der Nordsee mit dem Watt in Berührung kommen. Doch nach den ersten Schritten im Schlick sind sie beruhigt und lauschen den Informationen über die Entstehung dieses besonderen Gebietes und die Bedeutung der Gezeiten für das Wattenmeer.

Die letzten Eiszeiten haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich der südliche Rand der Nordsee in eine ganz besondere und ökologisch wertvolle Landschaft entwickelt hat.

Mit dem auflaufenden Wasser der Flut wird täglich zweimal so viel organische Masse ins Watt geschwemmt, das bis zu zwei Millionen Tiere pro Quadratmeter davon leben können. Dazu gehören die ca. 10 Millionen Zugvögel, die zweimal im Jahr das Wattenmeer als Drehscheibe für ihren Weiterflug nutzen. Einige von ihnen verdoppeln dabei ihr Körpergewicht, um genug Energie für die tausende Kilometer zu haben, die sie Nonstop zurücklegen. Das Wattenmeer ist das vogelreichste Gebiet Europas und somit natürlich auch Deutschlands.

Fische nutzen das Nahrungsangebot, indem sie das Wattenmeer zu ihrer Kinderstube gemacht haben. Nur dadurch ist es möglich, dass die Nordsee als eines der fischreichsten Gebiete der Welt gilt. Bis zu 80% (Scholle) aller Nordseefische haben hier die Chance, in Ruhe das Erwachsenalter zu erreichen, ohne von Großen gefressen zu werden.

Unzählige Muscheln sorgen mit ihrer Filtrierung dafür, dass das Wasser des Wattenmeeres alle paar Tage eine Reinigung erfährt und es dadurch zu keiner riechenden Brühe verkommen kann. So kann eine 3 cm große Herzmuschel bis zu 2,5 Liter Wasser in einer Stunde filtern.

 

Im und auf dem Watt kümmern sich viele kleine und größere Lebewesen um alles, was die Flut abgesetzt hat und irgendwie energetisch verarbeitet werden kann.

Der einzelne Wattwurm filtert dabei bis zu 25 kg Sand jährlich, in dem er die Schlickkörner „ablutscht“ und gereinigt dem Watt wieder zuführt. Bäumchenröhrenwurm und Rasenringelwurm zeigen ihre aus Schlick gebastelten Wohngebäude, die an Kunstwerke erinnern.

Schnecken grasen die Oberfläche nach Algen ab und die Krebse und Krabben sind unterwegs, um sich an dem reichlichen Nahrungsangebot zu befriedigen.

 

Aber nicht nur diese riesige biologische Vielfalt macht dieses geologisch noch sehr junge und dynamische Wattenmeer einzigartig. Auch die Ausdehnung ist ganz besonders, denn es gibt auf der ganzen Welt kein größeres zusammenhängendes Wattengebiet als an der südlichen Nordseeküste.

 

Dies alles sind schon viele Gründe, um dieses außergewöhnliches Gebiet zu schützen, aber natürlich nicht die Einzigen.

 

Die Gefahren durch Klimaveränderungen, Verschmutzung, Wirtschaft und anderen sind vielfältig und so ist dieses gesamte Gebiet als Nationalpark, Biosphärenreservat und Weltnaturerbe unter besonderen Schutz gestellt worden.

 

Doch die Sensibilisierung für die Empfindlichkeit des Wattenmeeres erfährt der Gast bei der Wattwanderung nur „nebenbei“, denn erinnern wird er sich gerne an die Ruhe, die Entschleunigung und den „Kopf frei machen“.

 

Und so soll Urlaub doch sein – entspannend, Kraft tankend und dabei „Neues“ erleben!

 

Also auf ins Watt!

 

Euer Wattenpeter